Willkommen in THE FABRIC!

Auf dem Areal und in den Gebäuden der ehemaligen Textilfabrik Hardt & Pocorny in Radevormwald bei Wuppertal wächst das Neue im Alten.

Hier werden Arbeit, Wohnen und Well-Being zu einem inspirierenden Netzwerk verwoben.

An diesem Ort entsteht ein neuer Stadtteil, der den Komfort eines Luxus-Retreats und das Lebensgefühl eines urbanen Szenequartiers mit dem gesunden Klima inmitten eines Naturschutzgebietes verbindet.

Im nachhaltigsten Gebäudekomplex Deutschlands:

THE FABRIC

THE FABRIC

ist Wohnen 4.0

Wer in THE FABRIC lebt, hat alles an einem Ort. Ein ganz besonderes Zuhause mit der großen Geschichte der Bergischen Industriekultur.

Perfekte Arbeitsbedingungen in der eigenen Wohnung oder im Coworking für Quartierbewohner. Und ganz viel Raum für ein schönes, gesundes und ausgewogenes Leben. Mit Cafés und Restaurants, Gym und Spa und einzigartiger, unberührter Natur – direkt vor der Haustür.

Ein neuer Stadtteil –

mitten im Bergischen

THE FABRIC ist ein urbanes Quartier im Grünen.

Ein Areal, welches das Flair von Brooklyn Heights mit dem Service-Level eines Appartementhauses verbindet. Ein Ort, an dem aus Wohnen Wellness wird und der gleichzeitig Räume fürs Leben bietet.

Arbeiten im arealeigenen Coworking-Space? Freunde, Bekannte, neue Leute treffen? Einkäufe des täglichen Bedarfs erledigen? Shoppen oder Inspiration sammeln? Alles möglich. In THE FABRIC.

Neuland an

der Wupper

THE FABRIC liegt im Herzen der größten Metropolregion Europas.

In Radevormwald, in unmittelbarer Nachbarschaft zu Wuppertal, nahe den Städten Köln, Düsseldorf und Essen – mitten in der unberührten Natur des Bergischen Landes.

Im grünen Wundertal

Wo einst die erste industrielle Revolution Fahrt aufnahm, haben sich in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten neue innovative Industrien entwickelt. Bildungseinrichtungen, Initiativen und Kulturschaffende haben hier einen Ort gefunden, der neue Ideen am Fließband produziert. Innovationen entstehen. Träume werden wahr: Im Wuppertal entstehen neue Wunder!

Die Geschichte der Fabrikanlage

Hardt, Pocorny & Co.

Warum es dazu kam, dass mitten im Bergischen Land eine ganze Reihe erfolgreicher Fabriken und Produktionsstätten entstanden?

Im Grunde genommen aus zwei Gründen, der Wasserkraft der Wupper und der Willensstärke einiger bedeutender Unternehmer. Beide zusammen ermöglichten den Erfolg der Region – vom ersten Eisenreckhammer bis zur erfolgreichen Textilindustrie des 19. und 20. Jahrhunderts.

Die Wurzeln der Fabrikanlage von Hardt, Pocorny & Co. reichen rund 380 Jahre zurück. Im November 1646 erhielt der pfälzisch-neuburgische Hauptmann Dietrich Mouton die kurfürstliche Erlaubnis, auf dem Uelfebach einen Eisenreckhammer zu errichten. Der durch die Wasserkraft des Baches angetriebene Dahlhauser Hammer diente zum Schmieden von Eisen. Er befand sich samt Hammerwerk direkt an der Mündung in die Wupper und in der Nähe des namengebenden Ritterguts Dahlhausen mit seinen Ländereien – diese gehörten ebenfalls Mouton.

Die Kraft der Wupper wurde später insbesondere in der heimischen Textilindustrie genutzt. Die inländische Baumwollspinnerei entwickelte sich mit Einführung des Spinnrades ab 1736. Die Rohwolle wurde in Holland von Kaufleuten eingekauft, diese ließen sie darauf in Heimarbeit spinnen, und das so gewonnene Garn verkauften sie an Weber. Diese webten an Webstühlen daraus dann sogenanntes Tuch oder Wolltuch. Weitere Handwerker waren danach mit dem Scheren, Färben und mit der Appretur des Tuches beschäftigt. Dies geschah mit dezentralen, heimgewerblichen Produktionsstrukturen.

Im Jahre 1768 gehörte das Rittergut Dahlhausen dem Kölner Rat und Senator Peter Johann Gilles. Am 1. Dezember 1774 erhielt er die Genehmigung für zwei weitere Reckhämmer. Im Jahr 1800 waren hier ein Dutzend Bewohner ansässig, die vermutlich in den Hämmern wohnten und schliefen. In dem Reisebericht eines Regierungsassessors aus dem Jahre 1804 werden diese drei Reckhämmer erwähnt. Damit ist die eigentliche Wupper-Wasserkraft in Dahlhausen dokumentiert.

Zu dieser Zeit eigneten sich die Tuchfabrikanten im Tal der Wupper die englische Produktionstechnik an, die für die erwähnte Spinnerei, Rauerei, Scherung und Appretur notwendig war. Die Maschinen dafür führten sie heimlich aus England ein. Gleichzeitig entstanden vor Ort neue Maschinenbau-Firmen, welche die englischen Maschinen kopierten und erfolgreich nachbauten.

Während der Napoleonischen Besatzung des Bergischen Landes waren viele Textilfirmen auf die andere Rheinseite gezogen. Denn durch die französischen Zollgesetze konnten die Fabrikanten im Wuppertal nichts mehr verdienen. Zudem bestand in der alten Heimat für die Unternehmen noch bis 1809 Zunftzwang. Anders als im linksrheinischen Eupen/Verviers, wo das aufstrebende Tuchmachergewerbe dank des direkten Zugangs zum französischen Markt florierte.

Nachdem Napoleon mit seinen Truppen das Land nach den Befreiungskriegen Ende 1813 wieder verlassen hatte, kehrten die Fabrikanten nach 1814 wieder in ihre Heimat zurück. So die Tuchfabrik Johann Peter Schürmann & Schröder, Vogelsmühle, im Jahr 1814, Johann Wülfing & Sohn 1815 und die Firma Adolph Bauendahl 1816. Bis 1819 setzte ein regelrechter Wettlauf der Firmen um die strategisch besten Plätze an der Wupper ein.

Johann Adolph Bauendahl war bereits seit 1808 in Radevormwald als Tuchfabrikant ansässig. Dessen Tücher walkte – also reinigte – der Walker Johann Aldenrath mit viel Seife in der Dahlhauser Walkmühle. Solch eine Walkmühle ersetzte rund 40 Fußwalker. Die Bauendahl-Vorfahren waren schon seit dem Dreißigjährigen Krieg (1618–1648) eine Institution in Radevormwald.

Die größte der drei Heimkehrer-Firmen war Bauendahl. Sie besaß schon eine Fabrik in Lennep, ferner eine moderne Spinnerei in Friedrichsthal. Die Spinnmaschinen des Unternehmens trieb ein Wasserrad mit der Kraft der Wupper an. Da die begehrten Plätze entlang des Flusses bereits unter den anderen Firmen aufgeteilt waren, blieb für Joseph Adolph Bauendahl nur ein ehemaliger Hammer in Vogelsmühle, zwischen Dahlhausen und Dahlerau, übrig, an dem er ein Drittel des Besitzes erwarb. Dieses tauschte er am 29. April 1830 mit Schürmann & Schröder für eine Zusatzzahlung von 5000 Talern gegen deren Anteile an den Dahlhauser Anlagen ein und kaufte auch den Rest der dortigen Fabrik. Diese umfasste die Walkmühle, zwei Hämmer und einige Nebengebäude. Das Wichtigste für Bauendahl war allerdings der Standort Dahlhausen an der Wupper und die daraus resultierende Wasserkraft.

Zusammen mit seinen Söhnen Adolph und Conrad Heinrich plante der Fabrikant nun eine dritte Anlage, mit den neuesten Maschinen, die er in seinem Eupener Exil kennengelernt hatte. So entstand bis 1833 ein dreistöckiger massiver Bruchsteinbau mit einer Länge von 75 Metern und einer Breite von 14 Metern und großer Fabriktransmission. In den neuen Räumen waren die Rauerei, Schererei und Tuch-Walkerei mit Tuchrauhmaschine und Zylinderschermaschine untergebracht. Der Architekt der Fabrik war Christian Heyden aus Wuppertal-Barmen. Die ausführende Baufirma Schmidt war um 1820 von dem Maurer Leopold Schmidt gegründet und 1836 von dessen Sohn Christian, Heydens Schulfreund, übernommen worden.

Nun benötigte die Fabrik dringend Arbeiter. Bewerber, die mit ihren Familien ins Tal ziehen wollten, kamen genug aus den umliegenden Ortschaften. Im Jahr 1835 wohnten 28 Familien mit 154 Familienmitgliedern in Dahlhausen. 20 Jahre später waren es bereits doppelt so viele. Für sie waren Arbeiterhäuser als billiger Wohnraum errichtet worden. Die Arbeitszeit für die Arbeiter betrug in der Regel über 80 Stunden wöchentlich. Baumeister Albert Schmidt, Sohn von Christian Schmidt, errichtete im Jahr 1867 ein zweifaches Arbeiterwohnhaus, in den folgenden Jahren entstand noch ein dreifaches Haus. Diese Arbeiterhäuser wurden wegen Baufälligkeit vor 1980 abgebrochen. 1896 und 1906 entstanden weitere Häuser.

Die Arbeiterkinder sollten auch zur Schule gehen können. Der erste Schulunterricht soll 1824 oder 1835 in Räumen einer ehemaligen Wirtschaft im Tal stattgefunden haben. Hardt für Wülfing, Peter Schürmann & Schröder sowie C.H. & A. Bauendahl finanzierten eine erste, dreiklassige Fabrikschule für die 51 Schulkinder in den Wupperortschaften, von denen 17 alleine aus Dahlhausen kamen.

Für die Fabrikkinder mussten deren Eltern 1 Reichsthaler Schulgeld pro Jahr entrichten. Der größte Teil der über zwölf Jahre alten Schüler arbeitete bereits in der Fabrik. 1872/73 errichtete Albert Schmidt die Dahlhauser Schule, Bauherr war Johann Wülfing & Sohn. 1892 folgte eine zweite Schule in Dahlhausen, Bauherr war Hardt, Pocorny & Co. Wegen wohl sinkender Schülerzahlen wurde die Schule 1905 in ein Mädchenhaus umgewandelt, bis sie 1912 geschlossen und in ein Wohnhaus umgebaut wurde.

Die Bauendahl-Ära ging allerdings 1855 zu Ende und die Produktion in der Fabrik wurde eingestellt. Denn Adolph Bauendahl Junior errichtete in Elsthal bei Luckenwalde, nahe Berlin, eine Tuchfabrik und sein Bruder Conrad Heinrich eröffnete eine Bank in Berlin. 1856 hatte indes Louise, Tochter von Adolph Bauendahl Junior, einen Hermann Hardt geheiratet. Dieser war Repräsentant der alteingesessenen Firma Johann Wülfing & Sohn.

Wülfing erwarb später die Villa von Adolph Bauendahl Junior aus der Erbmasse für Hermann Hardt und dessen Frau Louise. So wurde das gesamte Erbe aufgeteilt sowie veräußert. Ebenso die größte der drei Fabriken, das Etablissement in Dahlhausen, das öffentlich versteigert wurde. Auch hier erhielt Wülfing den Zuschlag. Die Erbengemeinschaft Bauendahl wollte einen Preis von 63.094 Talern erreichen, der vorher von Sachverständigen festgelegt worden war. Das Areal umfasste 80 Morgen, also etwa 20 Hektar, Land und acht Gebäude. Dazu das große Fabrikgebäude mit dem eisernen Wasserrad und einer Dampfmaschine.

Damit begann die Wülfing/Hardt-Ära in Dahlhausen. Nach dem Kauf 1866 leiteten Albert, Friedrich Hermann Hardt die Fabrik. Ihr Vetter Arnold Wilhelm Hardt unterstützte sie dabei. Der später so bekannte Baumeister Albert Schmidt sollte als damals noch 25-jähriger Maurermeister die Pläne für ihre neue Streichgarnspinnerei umsetzen. Die Bauten entwarf allerdings zwischen 1866 und 1869 der Neusser Baumeister Julius Thomas. Gebaut wurde nach englischem Vorbild und nicht mehr nach dem bergischen Standard in Fachwerkbauweise. Ab 1870 plante und konstruierte dann nur noch Albert Schmidt für die Hardts. Die Brüder Hardt waren Tuchfabrikanten und Kaufleute, über eine Spinnerei wussten sie allerdings nicht viel.

Daher holten sie im Sommer 1867 Theodor Pocorny als Direktor dazu.
Er kam von der Firma Arendt in Zielenzig im heutigen Polen und war nun für die Leitung und Einrichtung der Spinnerei sowie den Ein- und Verkauf verantwortlich.
Man schaffte nun die modernsten Maschinen an, mit denen man gleichmäßig rundes Vorgarn produzierte.

Nach dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 und den folgenden Gründerjahren im neuen Deutschen Reich bevorzugten die Kunden plötzlich größtenteils glatte Kleidung, die sich mit Streichgarn kaum herstellen ließ. In Mode waren nun Kammgarnartikel, die zudem preisgünstiger sein mussten, weil die Mode schnelllebiger wurde. Eine Produktionsumstellung war dringend erforderlich, um das neue Produkt produzieren zu können. Für die neue Kammgarnspinnerei erfolgten Versuche mit Vigogne-Garnen, die aus einem Gemisch von Baumwolle und reiner Wolle bestanden. Zudem versuchte man Kunstwolle oder Reißwolle als Zusatz zu nehmen. Diese Wollabfälle bestanden aus Lumpen oder anderen gebrauchten Textilien. Durch die Reinigung der alten Materialien entstanden allerdings auch mehr Abwässer, die nach dem Reinigen, Karbonisieren und Färben der Lumpen und Kunstwolle per Behörden-Auflage der Königlichen Regierung in Düsseldorf nur geklärt in die Wupper wieder eingelassen werden durften.

Am 28. November 1884 erhielt die Firma die Konzession zur Herstellung von täglich 500 Kilogramm Kunstwolle aus Lumpen. Bald waren 50 Mädchen für die Sortierung im sogenannten Lumpenshed zuständig. Hier sortierte man in Neutuch (Schneiderabfälle), Alttuch (Wolllumpen), Tibet (Damentuch), Zephir (feine Strickwaren), Shoddy (grobe Strickwaren) sowie Mungo (Abfall von Streichgarn). 1909 wurde in diesem Lumpenshed eine Entstaubungsanlage eingebaut. Denn die Lumpen waren mit Bakterien verseucht, die die Mädchen beim Sortieren einatmeten.

Am 1. Januar 1884 traten die bisherigen Macher des Unternehmens, Rudolf Hardt Sen. und sein Vetter Robert Hardt, aus der Firma Johann Wülfing & Sohn aus. Zeitgleich wurde der bisherige leitende Direktor der Spinnerei, Theodor Pocorny, nun in die neue Firma aufgenommen, ebenso sein mitgebrachtes Eigenkapital. Die Bezeichnung Johann Wülfing & Sohn wurde für Dahlhausen in Hardt, Pocorny & Co. umgewandelt. Der Geschäftsvertrag der beiden Hardts von 1879 verlängerte sich damit, denn sie waren in der neuen Firma wieder mit an Bord, ebenso das Kommanditkapital von 500.000, – Mark von Johann Wülfing & Sohn, mit dem sich die Firma beteiligte.

Als man immer mehr zu der Herstellung von Kammgarnen überging, wurde das Unternehmen am 1. Januar 1898 von einer KG zu einer GmbH. Der neuen GmbH standen nun Rudolf Hardt und Theodor Pocorny als Geschäftsführer vor. Robert Hardt hatte sich bereits 1892 aus der Firma zurückgezogen. 1890 wurde die Gasbeleuchtung in der Fabrik durch eine moderne Glühlampenbeleuchtung ersetzt, damit war das Unternehmen die erste Fabrik in Deutschland, die diesen Schritt ging. Siemens & Halske aus Berlin lieferte die Beleuchtung.

Ende des 19. Jahrhunderts wurde immer klarer, dass Kammgarnartikel die Modeszene langfristig beeinflussen würden. Die künftige Firmenstrategie sah nun vor, dass ein Drittel der Produktionskapazit.t in das neue Kammgarn gesteckt werden musste. Ein eigens zusammengestelltes Spezialistenteam begann in einer kleinen Versuchsabteilung damit, das neue Verfahren zu entwickeln. Aus dieser Versuchsabteilung mit 2000 Spindeln wurde im Laufe der Zeit eine komplette Produktionsstrecke, die aus vier Spinnmaschinen und den dazugehörigen Vorbereitungsmaschinen mit 11.800 Spindeln bestand.

Nach der Ausweitung der Kunstwollproduktion warb das Unternehmen Sortiermädels aus dem Ruhrgebiet an. Als Unterkunft für sie errichtete Albert Schmidt 1906 das erste Mädchenheim, Bauherr war Hardt, Pocorny & Co. Hier teilten sich 60 junge Frauen 12 Zimmer. Drei Jahre später wurde das Gebäude durch einen Anbau erweitert. Hier konnten 80 Mädchen in 18 Zimmern wohnen, 20 weitere auf dem Dachboden. Für die insgesamt rund 160 jungen Frauen waren zwei Vorsteherinnen verantwortlich. Die Stadt Radevormwald erwarb Mitte der 1970er Jahre das Gebäude, 1977 ließ Sie das Mädchenheim abreißen.

Während des Ersten Weltkriegs stoppte die weitere Umstellung auf Kammgarn, da kaum noch Wolle herangeschafft werden konnte. Daher bediente man sich wieder der Kunstwolle als Ersatz. Es wurde also wieder Streichgarn produziert, danach hauptsächlich Web- und Maschinengarne. 1926 kam der Firmen-Klassiker auf den Markt, die Ilse-Wolle. Dabei handelte es sich um ein locker gedrehtes Handstrickgarn, das schnell zu einem Verkaufs-schlager avancierte. Namensgeberin war die 1911 geborene Tochter von Rudolf Hardt Jun., Ilse.

Wegen des großen Erfolges der Ilse-Wolle konnte 1928 die Streichgarnabteilung geschlossen werden. Dieser Entschluss fiel besonders dem Sohn von Theodor Pocorny, Hermann Pocorny, sehr schwer. Er leitete zusammen mit seinem Vater die Streichgarnabteilung, in der er auch seine eigene Ausbildung absolviert hatte.

Hans Joachim Hardt, Sohn von Fritz Hardt, trat nun in die Fußstapfen von Hermann Pocorny. In mehreren in- und ausländischen Textilbetrieben erlernte er seine technische und kaufmännische Ausbildung, 1929 wanderte er nach Südamerika aus. 1936 kehrte er zurück und trat als Komplementär in die Spinnerei von Hardt, Pocorny & Co. ein. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und folgender Kriegsgefangenschaft stieg er 1946 in die Chefetage des Unternehmens ein. Das Werk hatte den Krieg ohne Schaden überstanden.

Anfang der 1950er Jahre war das Unternehmen mit seinem Dauerbrenner Ilse-Wolle wieder voll auf dem deutschen Markt vertreten und zählte zu den größten Erzeugern von Handstrickgarnen. Zudem entwickelte man Maschinenstrickgarne für die Strickerei-und Wirkerei-Industrie. Zwischen 1949 und 1956 wurde die Fabrik aus- und umgebaut. Die rohweißen Kammzüge oder Bumps lieferte die Bremer Wollkämmerei an. Die letzten Jahre des Unternehmens waren geprägt von Rationalisierungsmaßnahmen und Kosteneinsparungen, um auf dem Markt konkurrenzfähig zu bleiben. Ende der 1960er Jahre wurde die Färberei ganz aufgegeben, die gefärbten Kammzüge lieferte eine Färberei im belgischen Verviers.

1966 feierte das Unternehmen sein 100-jähriges Bestehen. Ende der 1960er Jahre gab es für die Arbeiter eine Kurzarbeitsperiode, immer mehr Werkshallen standen langsam leer und wurden vermietet. Seit Mitte der 1960er Jahre ging es bereits mit der Firma bergab. Zu ihrer Blütezeit waren hier rund 1000 Mitarbeiter beschäftigt, 1968 waren nur noch 450 Menschen angestellt. Im September 1973 wurde wieder Kurzarbeit eingeführt, da sich die Lage auf dem Textilmarkt verschärfte. Im folgenden Februar gab der Sprecher der Geschäftsleitung unter Firmenchef Hans Joachim Hardt das Produktionsende und die Schließung der Spinnerei mit ihren über 100 Mitarbeitern für den Frühling bekannt. Für 50 Arbeiter blieb der Weg in die Kammgarnspinnerei von Johann Wülfing & Sohn offen, wohin auch die letzten modernen Maschinen gehen sollten. Unter den restlichen Mitarbeitern befanden sich viele, die bald in Rente gingen. Für die übrigen wurde mit dem Betriebsrat ein Sozialplan aufgestellt.

Am 31. März 1974 wurde das Werkstor für immer geschlossen. Hardt, Pocorny & Co. war der erste Textilgroßbetrieb der Radevormwalder Wupperortschaften, der geschlossen wurde.

Die Gebäude der Spinnerei gehörten bis 1981 den HARDTS, danach übernahm ein Investor die Werkshallen. Später benutzten kleinere Betriebe die leerstehenden Gebäude als Lager oder Produktionsstandort. Ein weiterer Investor für die Herstellung von Grundchemikalien für die Gummiindustrie war Ende 1984 gefunden. Dagegen sprach sich allerdings eine Bürgerinitiative aus, so dass das Unternehmen seinen Antrag bei der Stadt im März 1985 zurückzog. Danach siedelten sich in Teilen des Gebäudekomplexes Kleinbetriebe an. 2025 übernahm die renaissance Immobilien und Beteiligungen AG das Areal.

Altes bewahren und in neuem

Glanz erstrahlen lassen

Die renaissance Immobilien und Beteiligungen AG ist spezialisiert auf die Entwicklung von Altbauten, historischen Fabrikgebäuden und Gebäude-Denkmälern aus der Zeit um das 19. Jahrhundert.

Durch die ressourcenschonende Vorgehensweise einer nachhaltigen Neunutzung leistet das Unternehmen einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz. Die renaissance AG saniert Immobilien nach höchstem Standard und greift dabei auf die Erfahrung von über 1000 Wohnungen zurück. Alle Objekte werden mit Liebe zum Detail und Verständnis für zeitgenössische Architektur behutsam renoviert und restauriert.

Diese Firmenphilosophie schafft rentable Anlagemöglichkeiten für Investoren sowie historisch wertvollen Wohnraum für Mieter. Über die Entwicklung und den Verkauf der Immobilien hinaus werden erworbene Immobilien von der renaissance AG umfassend betreut. Dafür setzt sich ein erfahrenes Team hoch qualifizierter Mitarbeiter in der Hausverwaltung ein. Der Unternehmenssitz der renaissance AG liegt im niederrheinischen Krefeld und in Wuppertal.